Das Ziel der meisten SchülerInnen ist es, später einmal einen spannenden, interessanten Beruf zu finden, der Spaß macht und bei dem außerdem gut verdient wird. Doch wird dafür wirklich zwangsweise das Abitur benötigt oder sind ein guter Job und viele Aufstiegsmöglichkeiten auch ohne Abitur möglich?

„Wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“ – Laotse

Grundsätzlich kommt es immer darauf an, für welchen Beruf du dich als Schüler oder Schülerin später entscheidest. Wo liegen deine Stärken und Interessen? Hast du vielleicht bereits einen Traumberuf im Sinn? Wenn du noch nicht weißt, was du später machen sollst oder was für eine Ausbildung für deinen zukünftigen Job benötigt wird, gibt es auch Berufsberater, die weiterhelfen können und teilweise sogar per Telefon Auskunft geben.

Je nach Berufswunsch ist es wichtig, dass du dich schon während der Schulzeit erkundigst, welche deiner Fächer später notwendig sind und wo du unbedingt gute Noten brauchst. In manchen beruflichen Bereichen ist ein Abitur erforderlich, dass du überhaupt genommen wirst und somit auch dafür, dass du in der Zukunft Aufstiegsmöglichkeiten hast. Solltest du das Abitur vorerst nicht machen wollen und dich dann später doch noch dafür entscheiden, dieses nachzuholen, ist das in Deutschland auch im Zuge eines Fernstudiums möglich, welches bereits in vielen Betrieben ebenso hoch angesehen ist, wie das Abitur auf dem Gymnasium.

Natürlich ist die Auswahl an beruflichen Möglichkeiten groß, aber es gibt auch sehr viele Interessenten, weshalb es von besonderer Wichtigkeit ist, sich frühzeitig für die verschiedenen Stellen, die in Frage kommen, zu bewerben. Je besser dabei der Schulabschluss ist und umso mehr Praxiserfahrung, beispielsweise durch das absolvieren von Praktika im Voraus, mitgebracht wird, desto höher sind grundsätzlich die Chancen, den Job zu bekommen.

Doch es gibt auch viele Berufsfelder, für die Motivation, praktische Vorkenntnisse, Fachwissen und das Beherrschen von Fremdsprachen viel wichtiger sind. Angestellte in bestimmten Betrieben, wie Bankkaufmänner, Arbeitende im Einzelhandel, in handwerklichen Berufen oder im kulturellen Bereich, haben auch ohne Abitur gute Aufstiegsmöglichkeiten und können sich mit viel Motivation und Einsatz auch bis zur Position des Filialleiters hocharbeiten. Durch den demographischen Wandel herrscht ein immer größerer Mangel an Fachkräften, besonders im Technikbereich und in der Tourismusbranche. Es werden also wieder mehr Leute gesucht, die praktische, am besten mehrjährige, Berufserfahrung besitzen, neue Ideen mitbringen und Fleiß und Talent zeigen.

Bewerbungen finden in jenen Branchen nicht über die Noten des Abiturs, sondern über Vorstellungsgespräche statt. Persönlichkeit, Auftreten und Redegewandtheit sind das, was zählt. Zudem wichtig ist beispielsweise ein ausgezeichneter Realschulabschluss, denn der ist für die Arbeitgeber ein Zeichen dafür, dass du fleißig bist und Durchhaltevermögen hast. Zusätzlich eröffnet das spezifische Wissen, das du dir in bestimmten Praxisbereichen bereits angeeignet hast, häufig ungeahnte Möglichkeiten. Inzwischen wird von Betrieben außerdem immer mehr gefordert, dass Bewerber nicht nur über Hard Skills, wie Fachwissen oder Fremdsprachenkenntnisse, sondern auch über Soft Skills, also die Fähigkeit zum Small Talk, zur Annahme von Kritik, zur Umsetzung von Feedback und zum Arbeiten im Team, verfügen.

Was zusätzlich erwünscht ist, sind Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit, ein respektvoller Umgang mit anderen, Zuverlässigkeit und dass dir deine Mitarbeiter vertrauen können. Strahlst du diese Eigenschaften bereits beim Bewerbungsgespräch aus, wird es dir auch ohne Abitur nicht schwerfallen, deinen gewünschten Job zu ergattern.

Besonders in den bereits genannten Branchen ist es sowohl die Leistung, die zählt, als auch die Menschenkenntnis. Denn wer seine Gegenüber einschätzen kann, kann schneller die Wünsche der Kunden erfüllen und kommt auch besser mit den anderen Arbeitern und Arbeiterinnen klar. Gerade bei Arbeitenden mit Berufserfahrung, die mit der Zeit die Karriereleiter nach oben klettern, besteht ein großer Vorteil außerdem darin, dass sie ihre Mitarbeiter bereits sehr gut kennen und als Führungspersonen genau einschätzen können, wer über welche Stärken verfügt und in welchen Bereichen diese besonders gut eingesetzt werden können.

Die Frage ist, was es für dich bedeutet, erfolgreich im Job zu sein. Denn von Bedeutung ist nicht nur das Gehalt, du solltest auch Freude an deiner Arbeit haben und mit den jeweiligen Herausforderungen, die dein Job mit sich bringt, umgehen können. Auch deine Motivation ist äußerst wichtig, denn wer Spaß hat und dies zeigt, kann andere inspirieren und wesentlich zu einem guten Arbeitsklima beitragen.

Tatsache ist, dass du auch ohne Abitur gute Chancen auf eine tolle berufliche Zukunft hast und einem angemessenen Gehalt nichts im Wege steht, besonders dann, wenn du beispielsweise mehrere Monate für eine handwerkliche Montage ins Ausland reist oder auf Fortbildungen gehst, um dich über die neuesten Entwicklungen in deinem beruflichen Bereich zu informieren.

Ein Fazit zu ziehen, ist bei diesem Thema schwierig. Der größte Unterschied zwischen Abiturienten und Nicht-Abiturienten liegt wohl darin, dass sich die Nicht-Abiturienten, natürlich wieder je nach Branche, mehr anstrengen müssen, um sich hochzuarbeiten und so ihre Ziele erreichen zu können. Die Konkurrenz in allen beruflichen Bereichen wird immer größer, das Abitur gilt häufig als selbstverständlich und es sind viel Fleiß und Ausdauer vonnöten, um ohne Abitur dort hinzukommen, wo du hinwillst. Auch Quereinsteiger mit Abitur haben es teilweise leichter, als solche ohne, da sie einen hohen Abschluss vorzuweisen haben, der überall akzeptiert wird und Jobwechsel einfacher macht. Dafür fehlt ihnen aber wiederum die mehrjährige Praxiserfahrung, die Nicht-Abiturienten sich währenddessen im Berufsleben bereits erarbeitet haben.

Ja, du musst dich anstrengen, um ohne Abitur zukünftige Berufsziele zu erreichen, doch das musst du dich auch mit Abitur. Es kommt zudem stets auf den Arbeitsbereich an, da bei manchen Jobs das Abitur zwingend notwendig ist und bei anderen wiederum zwar von Vorteil, für eine Anstellung und Aufstiegsmöglichkeiten aber nicht unbedingt erforderlich ist. Wichtig ist, dass du dir als Nicht-Abiturient bewusst bist, dass jetzige Entscheidungen nicht für immer sein müssen und du dich, sollte dies für den beruflichen Werdegang notwendig sein, auch immer noch für das Absolvieren des Abiturs entscheiden kannst.

Häufig ist es außerdem so, dass du zwar jetzt einen bestimmten Beruf im Blick hast, später aber vielleicht doch lieber etwas anderes machst. Unsere Gesellschaft hat sich im Gegensatz zu früher sehr verändert, denn jede und jeder ist heutzutage stolz darauf, dass er oder sie viele Möglichkeiten hat, die eigene Lebenswelt individuell zu gestalten. Dies heißt, dass immer mehr Menschen häufig ihre Arbeitsplätze wechseln, sich weiterbilden, Neues entdecken und langweilig wird ihnen somit auch nie. Es bedeutet jedoch auch, dass die Zukunft oft ungewiss ist. Du musst also nicht jetzt schon vorausplanen, was du in zwanzig Jahren machen willst. Es ist immer gut, eine ungefähre berufliche Richtung im Blick zu haben, doch du hast auch stets die Chance, dich doch noch neu zu orientieren, sei es, indem du das Abitur nachholst, eine neue Fremdsprache lernst oder in ein völlig anderes Arbeitsumfeld einsteigst. Die beruflichen Alternativen sind in der heutigen Zeit sehr vielfältig und mit Motivation und Eigeninitiative sind deinen zukünftigen Möglichkeiten, egal ob mit oder ohne Abitur, beinahe keine Grenzen gesetzt.